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Slowly Story  
klaudia18 & Avik17
klaudia18 & Avik17 | 🇵🇱 Polen & 🇮🇳 Indien

Originally written in English. Translated by AngryAustrian.

Im Juni 2019 hat sie SLOWLY heruntergeladen, um Menschen aus anderen Ländern zu treffen und ihre Englischkenntnisse zu verbessern.

26. Juni 2019, 10:59 Uhr

Ihren ersten Brief hat sie per Auto-Matching an einen indischen Jungen geschickt. Und wie durch ein Wunder hat sie schon mit dem ersten Brief einen Volltreffer gelandet, denn die Person, an die sie ihn geschickt hat, stellte sich als die Richtige heraus.

27. Juni 2019, 09:29

Er erhielt einen Brief aus Polen. Und er dachte: „Vielleicht sollte ich ihr antworten“. Es war ihr erster Brief auf SLOWLY, und wahrscheinlich sein Zehnter oder so. Damals war er gerade auf der Suche nach Freunden, mit denen er sich verbinden konnte, und er bekam etwas, das für ihn völlig unerwartet war, wie ein Traum.

Sie erinnert sich noch an seinen ersten Brief. Er war anders als die Briefe, die ihr andere Er schrieb über Regen, Musik, Gewitter. Kleine und große Dinge zugleich, die für ihn sehr wichtig waren. Und plötzlich begannen sie auch für sie sehr wichtig zu werden. Sie sprachen über Essen, Musik und andere Kunstformen und Kulturen und viele andere Dinge, an die sie sich jetzt nicht einmal bewusst erinnern. Er erzählte ihr von seinen Depressionen und seinem furchtbaren Liebeskummer, weil er ein Dummkopf war, und sie war für ihn da und unterstützte ihn. Er hatte das Bedürfnis, ihr gegenüber absolut ehrlich zu sein, und er gestand ihr einen Fehler, den er begangen hatte. Sie war damit nicht einverstanden, aber seltsamerweise fühlte er sich sehr zufrieden und in Frieden, und natürlich verzieh sie ihm.

Dann, eines schönen Tages, wollte sie seine Musik hören. Er gab ihr seine E-Mail-Adresse, sie schickte ihm eine E-Mail und er schickte ihr zwei Clips zurück. Er war sehr nervös, wie sie auf seinen hässlichen Gesang mit der brüchigen, hohen Stimme reagieren würde. Aber sie liebte es! Und sie wollte mehr davon, und er kam dem nur zu gern nach.

In nur einem Monat tauschten sie etwa 80 Briefe aus, auf die sie jeweils 19 Stunden lang warten mussten.

Irgendwann (ja, innerhalb eines Monats) hatten sie das Gefühl, dass sie sich schon seit ihrer Kindheit kannten, weil sie sich so ähnlich waren. Sie nannten sich sogar „verlorene Zwillinge“, als er versuchte, sich vorzustellen, wie sie im wirklichen Leben aussah, indem er ihren Avatar SLOWLY ansah. Er verspürte ein überwältigendes Bedürfnis, sie zu sehen.

Sie warteten jeden Tag auf eine Benachrichtigung, die besagte, dass „er/sie einen Brief über SLOWLY geschickt hat“. Diese Benachrichtigung machte ihn glücklich wie nichts anderes in seinen trüben Tagen, auch wenn es 19 schmerzhaft süße Stunden des Wartens bedeutete. Und für sie war das 19-stündige Warten auf seine Briefe so aufregend, aber manchmal auch unerträglich, weil sie zappelig war.

Er stellte jedes Mal, wenn sie ihm einen Brief schickte, einen Timer auf: „19 Stunden … das bedeutet 03:27 Uhr nachts“. In vielen Nächten versuchte er, wach zu bleiben und ihre Briefe zu lesen, sobald sie ankamen, aber meistens schlief er ein. Aber er freute sich immer wie ein Fünfjähriger und lächelte, wenn er morgens als Erstes ihren Brief sah.

15. Juli 2019, 02:40 PM

Emails…
Sie: Und ich möchte, dass du mir Nachrichten auf Facebook schickst, anstatt per Mail, denn wie du siehst, benutze ich es nicht oft. Ist das für dich in Ordnung?
Er: Ja, ich bin mehr als einverstanden mit Facebook. Ich glaube, ich habe dir den Link zu meinem Facebook-Profil in einem meiner Briefe geschickt. Hier ist er …

Und dann …

August 16th, 2019 08:04 PM

Sie reden jetzt die ganze Zeit über Facebook miteinander, mit den geringsten Pausen, während sie schlafen. Er denkt an sie, wenn er morgens aufwacht und bis er nachts einschläft, und sie auch.

Sie hatten nie die Absicht, sich auf Facebook zu schreiben, aber sie konnten es einfach nicht lassen. Trotz der unterschiedlichen Zeitzonen schreiben sie sich ständig, manchmal sogar nachts oder im Morgengrauen.

Sie tauschen ihre Gedanken und Kulturen aus. Er zeigte ihr schöne indische Musik, in die sie sich verliebte. Er liebt es, ihr Bilder von Wolken (immer aus demselben Fenster), Blumen und seinem Garten zu schicken. Er liebt es auch, für sie zu singen, ihr Lieder zu schicken und Musik aus aller Welt und alles, was er weiß, mit ihr zu teilen. Sie hätte sich nie vorstellen können, dass sie jemanden wie ihn über das Internet kennenlernen könnte. Sie hat das Gefühl, dass sie seelenverwandt sind, weil sie sich stundenlang über scheinbar langweilige Dinge wie Essiggurken, Hunde, soziale Fragen oder andere dumme Dinge unterhalten. Sie sind im Grunde genommen ein Paar von Spinnern, die voneinander abhängig sind wie von Drogen.

Sie haben den Briefwechsel auf SLOWLY nicht aufgegeben, auch nicht, nachdem sie mit Instant Messaging begonnen hatten, denn er ist immer noch so spannend wie die ersten Briefe, und dank SLOWLY haben sie sich kennengelernt. In ihren späteren Briefen auf SLOWLY schufen sie ihre eigene Welt um 1750, ohne Telefone, Kameras oder gar Telegrafen, in der er ein Bauernjunge ist, der einen Bauernhof und einen Stier besitzt, Reis anbaut, Hühner hütet, es liebt, im Regen nass zu werden und im Mondlicht spazieren zu gehen. Und sie ist eine Städterin, die vorbildlich stickt und ein atemberaubendes, verborgenes Talent in der Malerei hat, und er glaubt, dass ihre Fähigkeiten sie eines Tages erfolgreich machen werden. Und sie tauschen immer noch Briefe aus, denn das ist ihnen sehr heilig, und so haben sie sich kennengelernt. Ja, sie sind gleichermaßen verrückt und schräg.

Mehr als 6600 überwältigende Kilometer, 19 schmerzhaft lange Stunden des Wartens auf SLOWLY und 3½ peinliche Stunden Zeitunterschied trennen sie. Um es praktisch auszudrücken: Eine unglaubliche Entfernung und etwa 10 Länder liegen zwischen ihnen. Aber, wie wir schon sagten… sie sind einander so sehr zugetan, dass sie trotz der Entfernung nicht aufhören können zu reden. Nun, Sprachbarriere? Seine Muttersprache ist Bengalisch und ihre Muttersprache ist Polnisch, und sie kennen die Muttersprache des anderen nicht einmal ein bisschen. Was soll’s?

In der heutigen Welt wartet niemand 19 Stunden lang auf eine einzige Nachricht. „Wir sind nicht mehr in den 50er Jahren, versucht es doch mal mit Instant Messaging“, heißt es.
Aber eine weise alte Dame (sie lebt noch) erzählte Geschichten über Leute, die Briefe zustellten. Sie erzählte, dass die Briefzusteller „Überbringer vieler Geburten, Todesfälle und Kriege“ waren.

Und die Erzählungen waren wahr. Denn aus SLOWLY entstand ihre Freundschaft und noch etwas anderes. Und sie gaben das Versprechen, dass sie sich bald, sehr bald treffen werden.

Die Entfernung zwischen uns beträgt mehr als 6000 Kilometer, aber wir hoffen, dass wir uns eines Tages treffen werden.

Wir bedanken uns bei SLOWLY. Keiner von uns hätte gedacht, dass einer von uns mit jemandem, der so weit weg wohnt, auf diese Weise in Verbindung treten würde. Es hat nicht nur uns verbunden, sondern auch unsere Leben und Herzen.

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